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Islamberatung in Bayern ist ein Projekt der Eugen-Biser-Stiftung in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung und dem Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa EZIRE an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Das Angebot richtet sich an Kommunen, Wohlfahrtsverbände und kirchliche Einrichtungen sowie an muslimische Verbände und Organisationen. Die Beratung erfolgt vertraulich, weltanschaulich neutral und kostenlos als Einzelfallberatung am Telefon, per Email oder vor Ort.

Seit vielen Jahrzehnten ist Muslimisches Leben in bayerischen Kommunen gesellschaftliche Realität: Schätzungen zufolge leben derzeit etwa 600.000 Muslime in Bayern – bei einer Gesamtbevölkerung von 13 Millionen Menschen. Die Studie „Brückenbauer in Bayern“ im Auftrag der Eugen-Biser-Stiftung und der Robert Bosch Stiftung hat festgestellt, dass das Verhältnis zwischen bayerischen Kommunen und muslimischen Organisationen häufig von Vorurteilen und Verunsicherung geprägt ist. Gleichzeitig beschäftigen alle Beteiligten dieselben Fragen: Wie kann ein gutes Zusammenleben aussehen und wie gelingt die praktische Umsetzung? Hier setzt die Islamberatung in Bayern an, deren Beratungskonzept auf die Bedürfnisse der Ratsuchenden eingeht und mit ihnen gemeinsam kontextorientierte und bedarfsgerechte Lösungsmöglichkeiten vor Ort entwickelt.

Die Ziele der Islamberatung sind vielfältig. Durch die Vermittlung von Basiswissen und das Aufzeigen von Handlungskompetenzen in Beratungsgesprächen sollen Wissen gefördert und Kompetenzen gestärkt werden. Beteiligte Akteure werden so darin unterstützt, mit muslimisch geprägten Lebenswelten sowie kommunalen Strukturen und Prozessen umzugehen. Außerdem soll, im Sinnbild des Brückenbauens, Kommunikation ermöglicht werden – die Islamberatung initiiert Sprech- und Begegnungsanlässe zwischen den verschiedenen Akteuren, stellt Kontakte her und bringt Schlüsselpersonen zusammen. Sie bietet Hilfestellung im Aufbau, der Nutzung und Etablierung eines nachhaltigen Kooperationsnetzwerks vor Ort. Zudem sollen gemeinsam mit den beteiligten Akteuren Handlungsstrategien und Lösungen gefunden werden, um Fragen zu beantworten und konkrete Herausforderungen bewältigen zu können. Kontroverse Positionen im Zusammenleben werden religionskompetent moderiert, bei Bedarf vermittelt die Islamberatung zwischen den Konfliktparteien.

 

Die von der Islamberatung in Bayern abgedeckten Themenfelder sind:

  • Kooperationsmöglichkeiten zwischen kommunalen und muslimischen Akteuren in Arbeitskreisen und Gremien
  • Teilhabe muslimischer Organisationen an kommunalen Handlungsfeldern
  • Muslimische Kinder und Jugendliche in kommunalen Einrichtungen
  • Muslimische Seelsorge, Pflege und Bestattungen
  • Alter und Gesundheit
  • Flucht und Migration
  • Moscheebau und muslimisches Gemeindeleben
  • Dialogprojekte
  • Jugend- und Bildungsarbeit

Sowie in Absprache ggf. auch weitere Themen.

 

                        

 

Mediale Berichterstattung über das Projekt:

https://www.br.de/nachrichten/bayern/islamberatung-fuer-kommunen-startet-2019-in-bayern,RBS8UE7

https://www.sonntagsblatt.de/artikel/bayern/neue-islamberatung-fuer-bayern-startet-zum-1-januar

https://www.sueddeutsche.de/bayern/islam-beratung-kommunen-1.4241923

https://www.islamische-zeitung.de/biser-stiftung-startet-islamberatung-fuer-kommunen-in-bayern/

https://www.presseclub-muenchen.de/veranstaltung-detail/ab-januar-2019-islamberatung-in-bayern-brueckenbauer-zwischen-muslimischen-lebenswelten-und-kommunen-2412.html

https://www.welt.de/regionales/bayern/article185080296/Beratungsstelle-soll-Kommunen-und-Muslime-zusammenbringen.html

Die Erforschung aktueller Lebenswelten von Muslimen in Bayern ist aus verschiedenen Gründen ein Desiderat: Zum einen nimmt Bayern stark an Globalisierungsprozessen teil. Es ist Aufenthaltsort und Heimat für Menschen aus aller Welt geworden, darunter viele Muslime, die häufig schon deutsche Staatsangehörige sind. Zum anderen ist Bayern als Flächenland immer noch auch ländlich geprägt, mit starkem historischen, kulturellen und religiösen  Bewusstsein. Muslime waren seit den Türkenkriegen als Individuen in Bayern präsent. Nach dem Zweiten Weltkrieg kümmerte sich Bayern um die muslimischen Kriegsfreiwilligen, u.a. durch Finanzierung einer geistlichen Verwaltung, über die aber so gut wie nichts bekannt ist. Daraus entstand in München eine der ersten Moscheen. Im Zuge von Gastarbeiterzuwanderung und Flüchtlingsbewegungen hat die Zahl der Muslime im Land stark zugenommen. Bayern war zudem Pionier bei der Etablierung eines islamischen Religionsunterrichts („Erlanger Modell“) und richtete an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg auch die erste Professur für Islamische Religionslehre in Deutschland ein.

Die im November 2015 begonnene Studie zu Lebenswelten von Muslimen in Bayern legt einen Fokus auf Religion. Sie ist aber unter Berücksichtigung multipler Identitäten und migrationsbedingter Gegenstände bzw. Probleme wie Sprachkompetenz, Bildung, ethnische Besonderheiten und Konflikte, Kommunikationskulturen, allgemeine gesellschaftliche Debatte mit Rückwirkungen auf muslimische Gemeinschaften etc. breit angelegt. Als erste derartige Studie in einem deutschen Flächenland gewinnt sie erhebliche wissenschaftliche wie politische Bedeutung.

Das Forscherteam hat seitdem mehrere Dutzend Experteninterviews in vielen Teilen Bayerns geführt. Befragt wurden Vertreter und Mitglieder muslimischer und säkularer Organisationen, Verwaltungsvertreter aus Ministerien, Bezirksregierungen und Kommunen sowie der Justiz. Zudem wird Material zu allen Projektthemen gesammelt. Weiterhin werden in Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an bayerischen Universitäten Teilforschungsprojekte vorbereitet, etwa Feldforschungs-Masterseminare zur Jugendkultur, zu Genderfragen und zur religiösen Infrastruktur. Ferner werden alle einschlägigen Publikationen und Materialien zusammengetragen und für eine spätere Auswertung aufbereitet, teils digitalisiert. Die Arbeit gestaltet sich in erheblichem Umfang interaktiv: Einerseits erheben wir Informationen insbesondere durch Experteninterviews, andererseits werden wir auch aufgrund unserer über viele Jahre erworbenen Erfahrungen zum Themenbereich Islam in Deutschland und Europa laufend um Rat gefragt. Manche Erkenntnisse fließen damit sogleich in die praktische Umsetzung ein.

Das Policy Paper „Islam in Bayern“, das aus dem Projekt hervorgegangen ist, steht hier zum Download zur Verfügung.

Über das Projekt

  • Mathias Rohe, „Muslime in Bayern„, in „Akademie Aktuell“, 3/2016, Bayerische Akademie der Wissenschaften, S. 23-27.
  • Radiobeitrag Bayerischer Rundfunk, „Wie leben Muslime im Freistaat?“, 13. Juni 2016.

  • Leitung des Projekts: Dr. Jörn Thielmann (EZIRE), Prof. Moncef Ben Abdeljelil (Universität Sousse, Tunesien)
  • Förderung: Volkswagen-Stiftung
  • Laufzeit: 2015 – 2018
  • Projekt-Homepage

Anstelle eines linearen Übergangs zur Demokratie haben die arabischen Aufstände eine Vielzahl von Aushandlungsprozessen um die Identität der Gesellschaft und die „Good Order of the State“ ausgelöst. Wir gehen davon aus, dass diese Prozesse zeitgleich auf nationaler und lokaler Ebene eintreten. Durch die Untersuchung ausgewählter Stadtteile in vier arabischen Städten (Beirut, Amman, Sana’a und Tunis) und Istanbul (mit unabhängiger Finanzierung) wird unsere Forschung bewusst auf lokaler Ebene beginnen. Dabei ist unser Ziel, Aufschluss über zwei verflochtene Prozesse zu geben: (1) die Raumpolitik der Konstruktion und Brückenbildung von Identitäten und (2) der Aushandlungsprozess um die Definition und Durchsetzung der moralischen Normen im öffentlichen Raum – sei es durch demonstratives religiöses Aussehen, Milieudruck (Türkisch: mahalle baskısı), die Androhung von Gewalt durch radikale Gruppen oder durch Zwangsregierungspolitik. Wir zielen dabei auf die Analyse der treibenden Kräfte hinter den aktuellen Veränderungen. Wer sind die entscheidenden Akteure? Welche Rolle spielt die Interaktion zwischen staatlichen Institutionen und privaten/zivilgesellschaftlichen Akteuren? Was sind die erklärten Ziele und was sind die impliziten normativen Thesen? Welche Art von politischen Mitteln und Argumente werden verwendet, um diese Ziele zu erreichen? Können wir diese Entwicklungen als „Islamisierung der Stadt“ beschreiben?

Projektinformation Volkswagen-Stiftung

Ziel dieser Untersuchung ist es, die Mission der beiden Ahmadiyya-Organisationen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert zu erforschen und in dem Horizont der frühen Globalisierung zu stellen. Dabei sollen (a) die Spannungen zwischen den beiden Organisationen, die jede für sich den Alleinanspruch auf eine globale Botschaft religiöser Erneuerung erhob, untersucht werden; (b) ihre Mission im Kontext antikolonialer Bestrebungen der muslimischen community in Europa gestellt, und (c) die europäische Mission der Ahmadiyya als Beitrag zur Reform des Islam befragt werden.

Die Ausgangsfragen beziehen sich einerseits auf die Organisatoren der Mission: Welches ‚Europa’ nahmen sie wahr und an wen richteten sie sich? Andererseits auf die Missionare: Mit welchem Habitus und welcher Botschaft machten sie in den Hauptstädten Europas auf sich aufmerksam? Wie wirkten sich die Konflikte mit anderen muslimischen Organisationen in Europa auf ihre Mission aus? Drittens auf die indischen und europäischen Intellektuelle, die in der Mission auf einander trafen, das akademische Gespräch über ‚Religionen’ suchten und dabei häufig englische Termini wie modern und progressive benutzten: Welches Verständnis von der Moderne und welche Konzepte von Religion schälten sich dabei heraus?

Siehe ausführlicher Abstract

Publikationen aus dem Projekt

Monographie (peer-reviewed)

  • The Ahmadiyya Quest for Religious Progress. Missionizing Europe 1900 – 1965. Leiden: EJ Brill, 2015.

Zeitschrift- und Buchartikel (peer-reviewed)

    • „A Laboratory of Modernity. The Ahmadiyya Mission in Interwar Europe“, The Journal of Muslims in Europe (2014): 1 – 25.
    • „The Dynamics of Adaptive Globalisation. Muslim Missionaries in Weimar Berlin“, Entangled Religions 1 (2014): 115 – 158.
    • „In Search of Religious Modernity: Conversion to Islam in interwar Berlin“, in Muslims in Interwar Europe. A Transcultural Historical Perspective, hg. von Bekim Agai, Umar Ryad und Mehdi Sajid. Muslim Minority Series. Leiden: EJ Brill (2015): 27 – 66.

„Lisa’s Things: Secular Jewish Traditions in Muslim Exile 1937 – 1957“, The American Historical Review. Things and People on the Move: Migration and Material Culture, special issue hg. von Leora Auslander und Zahra Tara (2016).

Aufsätze in Sammelbänden

  • „Das vergessene Experiment. Deutsch – muslimische Wahlverwandtschaften in der Zwischenkriegszeit“, in Ouverture Spirituelle. Disputationes der Salzburger Festspiele 2014, hg. von Claudia Schmitt-Hahn. Salzburg: Herbert Batliner Institut (2015): S. 35 – 41.
  • „Das vergessene Experiment. Jüdisch – muslimische Wahlverwandtschaften in der Zwischenkriegszeit“, in Interreligiöse Beziehungen im Wandel der Zeit, hg. von Michael Gabel, Jamal Malik und Justyna Okolowicz (=Forum Religion, Bd. 11). Münster 2015.
  • „The Jews of Marienwerder: A Very Short History“. Schody Kawowe, Kwartalnik Kwidzyńskiego Towarzystwa Kulturalnego (Kwidzyn, PL, 2015).
  • „Setting the table in Jewish and Muslim homes: A cookery book in exile.“ In Displaced Objects, edited by Alexandra Galitzine-Loumpet et al. Paris: Collège d’études mondiales (2016).

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