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Publikationen

Beiträge in Fachzeitschriften

 

Unentdeckte Dichotomien in den Schriften Ismail Bey Gaspıralıs

Ein peer-reviewed Artikel von Hüseyin I. Çiçek, publiziert von der Gesellschaft zur Förderung wissenschaftlicher Forschung und Publikation (Januar 2017)

Ismail Bey Gaspıralı gehört zu den Gründervätern des türkischen Nationalismus. Dessen Schriften erfreuen sich in der Türkei einer großen Beliebtheit und wurden in den letzten Jahren in verschiedenen Editionen publiziert. Ismail Bey wird als Kosmopolit, Völkerverständiger oder Brückenbauer und vor allem als Vorbild vieler türkisch-nationalistischer Intellektueller ausgezeichnet. Der folgende Aufsatz versucht anhand türkischer Gaspıralı Quellen einen kritischen Blick auf dessen Schriften zu werfen und Dichotomien in seinem Denken herauszuarbeiten.

Verhalten der Menschen prüfen – Islam und deutsches Recht

Beitrag von Mathias Rohe in: „Forschung & Lehre“, Jg. 23 (November 2016)

In der Diskussion, ob Rechtsvorstellungen im Islam dem westlichen Verständnis von Demokratie und Freiheit widersprechen, werden oft die Mechanismen des Rechtsstaats verkannt, aber auch die Vielfalt islamisch-normativer Haltungen. Eine Religion unter Generalverdacht zu stellen ist falsch und schädlich.

ADR und „Paralleljustiz“

Beitrag von Mathias Rohe in den Politischen Studien, Jg. 67, der Hanns Seidel Stiftung, S. 24-32 (September 2016)

Wird der deutsche Rechtsstaat durch „Paralleljustiz“ untergraben? Gibt es Scharia-Gerichte, die islamisch-orientalische Rechtsnormen gegen die Ordnung des Grundgesetzes durchsetzen? Der vorliegende Beitrag will zunächst die Fakten klären. Er arbeitet die wirklichen Ursachen von „Paralleljustiz“ heraus, beschreibt Möglichkeiten, wie rechtsstaatlicher Schutz für die gesamte Bevölkerung effizient gewährleistet werden kann, und unter welchen Voraussetzungen außergerichtliche Streitbeilegung positiv zu nutzen ist.

Sicherheit durch Integration in Österreich 2016

Aufsatz von Alexander Schahbasi in der Sicherheitspolitischen Jahresvorschau 2016 der Direktion für Sicherheitspolitik, Österreichisches Bundesheer, S. 367-369 (2015)

Tendenziell besteht 2016 ein erhöhtes Konfliktpotential im Hinblick auf gesellschaftliche Spannungen. Ob und wie sich Situationen ergeben, in denen es zur Beeinträchtigung von der öffentlichen Sicherheit kommt, kann nicht vorhergesagt werden. Mittelfristig kommt es vor allem darauf an, wie umfassend und flächendeckend Integrationsmaßnahmen erfolgen, damit Potentiale genutzt werden können…

Finding a Place for Islam in Germany: Islamic Organisations under Private and Public Law

Ein peer-reviewed Artikel von Riem Spielhaus und Martin Herzog im Journal of Religion in Europe (2015)

Während in aktuellen Debatten über den Islam in Deutschland die Anerkennung oft auf die Inkorporation von islamischen Organisationen in das Öffentliche Recht reduziert ist, zeigt dieser Artikel, dass das deutsche Recht eine Vielzahl von Möglichkeiten und Rechtsinstrumenten kennt, die ein öffentliches Wirken von Religionsgemeinschaften im Rahmen des Privatrechts erlauben.

Untersuchung zur Rolle islamischer Normen im Alltag von Muslimen

Spielen islamische Gebote eine Rolle für Muslime, wenn sie Entscheidungen über den Umgang mit ihrem Eigentum im Alltag treffen müssen? Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass einige Gebote von Muslimen stärker beachtet werden als andere. EZIRE-Mitarbeiterin Stephanie Müssig hat in ihrem systematischen Review herausgefunden, dass Muslime besonders islamische Normen zum Konsum beachten. Islamische Normen zum Umgang mit Produktionsgütern spielen im Alltag von Muslimen eher eine untergeordnete Rolle.

In ihrer Auswertung von 20 Forschungsarbeiten zur Rolle islamischer Konsum- und Produktionsgebote im Alltag von Muslimen kommt Stephanie Müssig zu folgendem Ergebnis: Islamische Normen, die den Umgang mit Eigentum in Bezug auf Konsum regeln, beeinflussen Einstellungen und Handlungsentscheidungen von Muslimen im Alltag. Dies betrifft beispielsweise den Konsum von halal geschlachtetem Fleisch oder den Konsum von Alkohol, der im Islam verboten ist, aber auch Konsumentscheidungen im Allgemeinen. Dagegen haben islamische Normen, die den Umgang mit Produktionsgütern regeln, für Muslime einen geringeren Stellenwert. So spielen islamische Normen kaum eine Rolle, wenn Muslime Investitionsentscheidungen treffen oder für ihre Unternehmensführung.

Für den systematischen Review hat Stephanie Müssig sechs wichtige elektronische Zeitschriftendatenbanken der Sozial- und Islamwissenschaften nach Forschungen bis August 2013 durchsucht, die sich mit der Bedeutung islamischer Normen in Konsum- und Produktionsfragen von Muslimen in Westeuropa empirisch auseinandersetzen. Die Autorin konnte 20 relevante Forschungsarbeiten identifizieren, deren Ergebnisse sie auswertete. Der systematische Review ist in der Zeitschrift „Journal of Muslims in Europe“ unter dem Titel „Muslims‘ Day-to-Day Handling of Property and the Adherence to Islamic Norms. A Systematic Review of Studies for Western Europe“ erschienen. Die Untersuchung entstand im Rahmen des ANR-DFG-Projektes „Understanding Property in Moslem Transitional Environments (PROMETEE)“

Abhandlung zur Brautgabe (mahr) aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen

Aus islamwissenschaftlicher, juristischer und soziologischer Perspektive haben sich die EZIRE-MitarbeiterInnen Ursula Günther, Martin Herzog und Stephanie Müssig mit der islamischen Brautgabe (mahr) auseinander gesetzt. Die Abhandlung wurde im Rahmen des deutsch-französischen ANR-DFG-Projektes „Understanding Property in Moslem Transitional Environments (PROMETEE)“ verfasst. Sie ist unter dem Titel „Researching Mahr in Germany: A Multidisciplinary Approach“ in der Zeitschrift „Review of Middle East Studies“ erschienen.

In Search of Religious Modernity: Conversion to Islam in interwar Berlin

Ein Beitrag von Gerdien Jonker in „Muslims in Interwar Europe“ (2015)

Der Beitrag von Gerdien Jonker betrachtet die Aktivitäten muslimischer Missionare im Berlin der Zwischenkriegsjahre. Vorgestellt werden die Islamische Gemeinde zu Berlin (IGB) ebenso wie die Ahmadiyya Anjuman i Isha’at i-Islam (AAII), die hauptsächlich mit der Missionierung befasst waren. Weiterhin befasst sich Jonker mit den Biographien einzelner islamischer Konvertiten. Durch die Schilderung der verschiedenen Biographien von Missionierenden und Missionierten wird deutlich, auf welche unterschiedliche Weise im Europa der 20er Jahre  „Modernität“  gesucht – und gefunden wurde.

A Laboratory of Modernity. The Ahmadiyya Mission in Interwar Europe

Publikation von Gerdien Jonker, in: The Journal of Muslims in Europe 3: 1-25 (2014).

In ihrem Beitrag zeichnet Jonker die Geschichte der Ahmadiyya-Mission unter Berücksichtigung des Globalisierungsnarrativs auf. Nachdem sie erst über ein gewisses Setting verfügten, reagierten die Missionierenden auf lokale Strömungen, die mit dem Modernitätsbegriff experimentierten, in der Hoffnung, so EuropäerInnen für den Islam zu gewinnen und diesen gleichzeitig zu modernisieren.
Der Artikel beschäftigt sich zunächst mit der „mental map“, mit der die Ahmadiyya und andere muslimische Intellektuellen-Bewegungen an die europäische Bevölkerung herantritten. Er zeigt die Arbeit der Missionars-Organisation und stellt die Kommunikationsschwierigkeiten zwischen dem Center der Missionierung in Lahore und den Zweigstellen in Berlin dar. Dann wird der politische Kontext der Missionierung ebenso nachgezeichnet wie die Wahrnehmung von und Anpassung an europäische Ideen. Als Teil der Globalisierung bieten die Berliner Missionierungen ein gutes Beispiel für lokale religiöse Adaption, bei dem die enge Beziehung zwischen den muslimischen Neuankömmlingen und ihren lokalen Zielpersonen im Vordergrund stand.

Rechtfertigung islamistisch-terroristischer Gewalt mit Blick auf die Kriegsbotschaften der al-Qaida

Publikation von Hüseyin I. Çiçek, in: Innsbrucker Diskussionspapiere zu Politik, Religion und Kunst 48 (September 2014).

In seinem Artikel untersucht Hüseyin I. Cicek die Legitimationsstrategien islamistisch-terroristischer Aktivitäten von Al-Qaida. Dabei folgt er der Grundannahme, dass Menschen nicht primär Gewalt anwenden, weil sie diese für unausweichlich halten, sondern vielmehr ein intensives Bewusstsein über die Auswirkungen von Gewalt auf das Leben haben und daher versuchen, die Gesamtheit der Gewalt mit einem einzigen, finalen Gewaltakt zu beenden.  Dabei ist es für islamistischen Terrorismus‘ laut Cicek zentral, das Individuum im Kollektiv aufgehen zu lassen. Islamistische Terroristen seien sich also durchaus bewusst, dass sie Gewalt gegen „den Westen“ anwendeten, rechtfertigten diese aber als Abwehr der ihrer eigenen, bzw. von ihnen konstruierten Gemeinschaft über die Jahre hinweg angetanen Gewalt.

The Dynamics of Adaptive Globalisation. Muslim Missionaries in Weimar Berlin

Publikation von Gerdien Jonker, in: Entangled Religions 1: 115-158 (2014).

Der Beitrag von Jonker untersucht adaptive Globalisierungstendenzen am Beispiel der Schnittstelle des kolonisierten Indiens und dem kolonialen Nachkriegs-Europa der 1920er Jahre. Er untersucht muslimische Missionierende, die nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland missionierten. Mit ihrem Ursprung in Britisch-Indien waren die Missionierenden maßgeblich von der kolonialen Geschichte Indiens geprägt. Sie sahen ihre Mission als einen weiteren Schritt im Prozess hin zu adaptiver Globalisierung, also dem Drang, sich westlicher Dominanz einerseits anzupassen und sie andererseits umzukehren.
Jonker zeichnet den Wettbewerb unter den Missionierenden im Berlin der Weimarer Republik nach und zeigt dabei die enge Verbindung von pan-islamischen Ideen, politischen Strategien und reformorientierter religiöser Symbolik auf. Die Versuche, Menschen aus westlichen Kulturkreisen zum Übertritt zum Islam zu bringen, waren ein zweischneidiges Schwert: Während die Missionierenden mit deren eigener Sprache an die deutschen Modernisten herantraten, konnten diese sich verschiedenen Missionarsangeboten entscheiden und sich den Islam aussuchen, der am besten zu ihren Bedürfnissen passte.