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Mathias Rohe: Kein grundsätzliches Moscheeproblem

Bild:
PantherMedia / Lisa Vanovitch

Der Journalist Constantin Schreiber zeichnet in seinem neu erschienenen Buch „Inside Islam“ ein negatives Bild über die deutsche Moscheenlandschaft. In vielen der von ihm besuchten Moscheen werde demokratiefeindliches Gedankengut gepredigt. Im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur kommentiert Mathias Rohe die Arbeit Schreibers.

Über acht Monate hinweg hat Constantin Schreiber sich Predigten in 13 deutschen Moscheen angehört. Sein Ziel: Die „Blackbox“ Moschee zu öffnen und Aufschluss darüber zu geben, was in deutschen Moscheen gepredigt wird. Schreibers Fazit ist ernüchternd: 80-90 Prozent der Predigten seien von einem integrationshemmenden und bisweilen demokratiefeindlichen Gedankengut geprägt gewesen. Was sagt Mathias Rohe, Islamwissenschaftler, Jurist und Direktor des EZIRE, zu den Vorwürfen?

Zunächst einmal sei Schreibers Ansinnen, sich anzuhören, was in deutschen Moscheen so gepredigt werde, sehr verdienstvoll, so Rohe im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur. Allerdings warne er dringend davor, mit Prozentzahlen zu operieren: Solche Zahlen könnten sich bisweilen verselbstständigen und auf alle Muslime in Deutschland übertragen werden. Außerdem zeigten belastbare Studien, wie etwa die des Bertelsmann-Religionsmonitors, dass es ein hohes Maß von Demokratiebejahung innerhalb der muslimischen Gemeinschaften in Deutschland gebe, vergleichbar mit der Einstellung der restlichen Bevölkerung. Laut Rohe gibt es also kein allgemeines Moscheeproblem, sondern ein Problem in manchen Moscheen: Inhalte mancher Moscheepredigten, besonders natürlich im salafistischen Milieu, seien problematisch. Allgemein seien Aufrufe zur Gewalt vergleichsweise selten, es gäbe aber durchaus Aufrufe zur Abgrenzung, was ein Integrationshemmnis sei, so Rohe. Außerdem stimmt er dem Fazit Schreibers zu, dass in vielen Moscheen ein konservatives Familienbild gepredigt werde: „Der Feminismus ist hier eher unterrepräsentiert.“ Generell müsse man aber unterscheiden zwischen Aussagen, die im Widerspruch mit der deutschen Rechtsordnung stünden und solchen, die zwar nicht wünschenswert, aber zulässig seien. Hier kommt für Rohe die deutsche Gesellschaft ins Spiel: Ein gesellschaftlicher Streit über kontroverse Inhalte von Predigten, wie etwa das Propagieren patriarchalischer Familienstrukturen, sei wichtig, um immer wieder zu verdeutlichen, warum Männer und Frauen in Deutschland gleichberechtigt seien. Eine solche Debatte müsse stattfinden, könne aber mit Mitteln des Rechts nicht erzwungen werden, so Rohe.

Bei allem sei es wichtig, Brücken zu den Muslimen und Musliminnen zu schlagen, die schon längst in der Gesellschaft angekommen sind – und davon gebe es zum Glück auch viele.

 

Das Interview mit Deutschlandradio Kultur finden Sie hier.