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Religionspolitik in der Türkei – Der Dienst der Diyanet: Hüseyin Çiçek im Deutschlandfunk

Quelle: Deutschlandfunk

Im Artikel „Religionspolitik in der Türkei – Der Dienst der Diyanet“, der am 17.01.19 im Deutschlandfunk erschien, äußert sich EZIRE-Mitarbeiter Hüseyin Çiçek zur türkischen Religionsbehörde Diyanet. 

Die Aussage, die Gründung der Diyanet hätte auch zum Zweck, die Religion durch den Staat zu kontrollieren, da viele konservative Muslime die Laizismus-Tendenzen Atatürks skeptisch sähen und eine Beeinträchtigung in ihrem religiösen Leben befürchteten, bewertet Hüseyin Çiçek folgendermaßen: „Solange die Gläubigen sich nicht explizit gegen den laizistischen Kurs von Mustafa Kemal Atatürk stellten, gab es eigentlich kein Problem. Sie konnten in den eigenen vier Wänden relativ frei alles glauben, was sie wollten. In der Öffentlichkeit durfte es aber keinen Aufruhr geben.“ Trotzdem kam es zur Verfolgung und teilweise Exekutierung zahlreicher den Reformen trotzender Konservativer und Geistlicher. Die Religion wurde als ein von der Regierung kontrollierter Bestandteil in den Nationalstaat integriert, weshalb nimmt die Dyanet bis heute gegenüber allen türkisch-islamischen Bewegungen und Verbänden eine Monopolstellung einnehme.

Hüseyin Çiçek sieht die Diyanet bis heute in einer ständigen Abhängigkeit von dem politischen Programm der jeweiligen Regierung, so gebe es also eine Kontinuität von der Anfangszeit bis zur Gegenwart, dass die Diyanet sich immer je nach innenpolitischen und außenpolitischen Herausforderungen hinter den türkischen Staat stelle.

Vermisst werde die Bereitschaft der Diyanet, die sich oft an sehr konservativen Vorstellungen orientiert, sich ernsthaft mit der Gegenwart auseinanderzusetzen, so Çiçek. „Was man sozusagen von der Diyanet fordern müsste, wäre natürlich ein weltoffener Islam, ein Islam, der demokratischen Entwicklungen oder Demokratie fördernd ist. Das heißt also im Bereich Menschenrechte, Genderfragen und so weiter hier einen klaren Standpunkt einzunehmen und eben Diversität und Menschenrechte, egal für wen, einzufordern.“